Gotland und Fårö
Ich habe noch nie zuvor so endlos viele Kiefern wie auf Gotland gesehen und ich hatte
das Gefühl auf einer Kieferninsel mit zum Teil sehr dichten Urwald zu sein. Die
unterschiedlichen Stamm- und Astformen üben eine Faszination aus, der man sich nur schwer
entziehen kann. Jeder Baum ist einmalig und es ergeben sich immer wieder neue Motive.
Kiefern, die vom ständigen Seewind in Schräglage gedrückt werden, nennt man
Windflüchter. Auf Gotland wachsen entlos viele Kiefern und dennoch war es eine
Herausforderung freistehende Windflüchter zu fotografieren. Einige Bäume wachsen
ungeschützt auf großen freien Steinflächen.
Überall sind in der ruhigen Landschaft von Gotland und Fårö Schafe und die alten mit
Schilf gedeckten Schafställe zu sehen. Es macht immer wieder Spaß den kaum scheuen und
so gut wie freilebenden Schafen zuzuschauen. Sie strahlen eine Gemütlichkeit aus, die
sehr gut zum Gesamteindruck der Insel passt. Typisch sind die Kalksteinmauern und
Holzzäune, die um Grundstücke aufgebaut wurden, um das Vieh vor dem Weglaufen zu
hindern. Es ist erstaunlich wie lang die Mauern aus Kalksteinen ohne Zement aufgebaut
wurden und scheinbar endlos lange erhalten bleiben.
Der Rauk „Jungfrun“ ist etwa zwölf Meter hoch und ist vom Strand Lickershamn besonders
schön zu sehen. Das tolle Wetter hat für besondere Stimmung gesorgt. Vom Strand aus, ist
ein kleiner Wasserfall zu entdecken, der anscheinend aus den nichts kommt.
An den Küsten von Gotland sind ohne viel Mühe verschiedenste Fossilien zu finden. Es ist
erstaunlich, wie viel an einigen Stränden zu sehen sind. Ich hatte mich irgendwo an den
Strand gesetzt und mich um meinen Sitzplatz herum umgeschaut. Ich habe fast immer
mindestens zwei oder drei verschiedene Fossilien in unmittelbarer Griffnähe gefunden. Meistens
handelte es sich um die harten Teile von Schalen oder Skiletten von Meerestieren, die vor
endlos vielen Millionen Jahren gelebt haben. Es sind u.a. Schnecken, Muscheln (Brachiopoden),
Kettenkorallen, Korallenstöcke, Seelilien, Stromatoporen und Einzelkorallen, um nur einige zu nennen.
Fossilien sammeln ist grundsätzlich erlaubt, jedoch nicht das herausschlagen aus Gesteinen. In
den meisten Naturreservaten ist das Sammeln von Fossilien allerdings untersagt. Zugegeben, der
menschliche Sammeltrieb wird nicht nur bei Fossilien-Liebhabern aktiviert und so habe ich mit
meiner Kamera einige Exemplare „gesammelt“.
An vielen Küstenabschnitten liegen Feldbrocken in Stapeln nebeneinander und man erhält den
Eindruck, dass diese erst vor kurzer Zeit abgebrochen sind. Das Steinmaterial ist zum Teil
sehr weich und zerbröselt bereits bei wenig Druck.