Graureiher
Graureiher (Ardea cinerea) sind ein wenig kleiner als Weißstörche. Sie
bauen ihr Nest meist innerhalb einer Graureiherkolonie in Bäumen. Das Nest
ist nicht so umfangreich und groß, wie man es von einem so großen Vogel
erwarten würde. Es sieht irgendwie provisorisch aus und man kann an einigen
Stellen manchmal hindurch sehen. Ich habe meist zwei oder drei Junge am Nest
beobachten können. Fünf Jungevögel sind eher selten.
Die lauten Rufe der jungen Graureiher verraten, dass im Nest mehr los
ist, als man zunächst annehmen würde. Die Kleinen sind oft nur für einen
kurzen Moment zu sehen. Nach etwa drei Wochen sind die schnell heranwachsenden
Jungen sehr aktiv und man kann sie sehr gut beobachten. Es ist erstaunlich
wie ruhig der Altvogel am Nest ist, wenn sich die Kleinen streiten und die
ganze Zeit nach Nahrung betteln. Wenn der Partner mit Nahrung zurückkehrt, ist es
für einen kurzen Moment ruhig am Nest. Hektisch wird es wieder sobald der
Altvogel die Beute im Nest ablegt.
Der bei uns in Norddeutschland recht scheue Vogel ist das ganze Jahr
hauptsächlich an flachen Gewässern zu sehen. Er steht lange Zeit Knietief im
Wasser und wartet so gut wie Regungslos ab, dass er Beute machen kann. Im
Anschluss-Kapitel "Graureiher bei der Jagd" habe ich eine Fotoserie zur Jagd
im flachen Wasser veröffentlicht. Der Reiher hat einen Karpfen erbeutet.
Die Nahrung des Fischreihers besteht hauptsächlich aus Fisch, Mäusen und
Kleintieren. So kommt es nicht selten vor, dass er auf Feldern und Wiesen
zu sehen ist. Auch an Land wartet der Graureiher mit viel Geduld ab, dass
er Beute machen kann. Oft genügen nur wenige Schritte um erfolgreich zu sein.
Frösche erbeutet der Reiher direkt am Ufer vom flachen Wasser oder Land
aus. Blitzschnell wird die Beute fixiert und zugeschnappt. Hin und wieder
kann die Beute, wie zum Beispiel ein zappelnder Frosch entkommen.
In Bäumen sind Fischreiher oft in der Nähe zum Horst zu beobachten. Im
Frühjahr sammeln sie Nistmaterial unter den Bäumen oder rupfen ausdauernd
an Zeigen, bis sie einen geeigneten Ast bekommen. Dieser wird auf dem
direkten Weg zum Horst gebracht und sofort verbaut. Zur Brutzeit sind
Graureiher oft ruhend in der Nähe zum Nest zu beobachten. Manchmal sind
sie nur wenige Äste zum Horst entfernt und dösen in der Sonne.
Im Flug sind Graureiher von anderen Großvögeln wie zum Beispiel dem Weißstorch
oder Kranich schnell zu unterscheiden. Im Gegensatz zu den anderen Arten
fliegen Reiher mit eingezogenem Hals. Dies sieht ein wenig kopflastig aus
und ist das typische Erkennungsmerkmal von fast allen Reiherarten. Erst kurz
vor der Landung oder kurz nach dem Start ist der Hals nach vorn gestreckt. Es
ist erstaunlich wie große Äste im Schnabel gehalten und im Flug transportiert
werden. Bevor Graureiher an einer unbekannten Stelle im Wasser landen kann es
durchaus sein, dass sie dann doch nicht landen und bereits Kontakt zur
Wasseroberfläche haben. Für diesem kurzen Moment sieht es so aus, als ob
Graureiher auf dem Wasser laufen könnten.