Nord-Ostsee-Kanal
Wo kann man am besten dicke Pötte aus der Nähe sehen? Am Nord-Ostsee-Kanal, dem
Kanal, der wie der Name schon sagt die Ostsee und Nordsee mitten durch
Schleswig-Holstein verbindet. Die meistbefahrendste künstliche Wasserstraße der
Welt liegt zwischen Kiel-Holtenau und Brunsbüttel. Sie hat eine Länge von 98,6Km
und ist an der Wasseroberfläche etwa 160m breit. Mit 11m Tiefe können auch große
Hochseeschiffe den Kanal passieren.
Hauptsächlich wird der Kanal von Frachtschiffen genutzt, die den langen Umweg um
Skagen (Dänemark) umgehen wollen. Die Durchfahrt dauert bei ca. 6-8 Knoten (12-15Km/h) etwa acht Stunden.
An der nördlichen Kanalmündung in Kiel-Holtenau steht der 1895 erbaute Leuchtturm.
Das Einfahrtsfeuer ist auf 22m auf dem Backsteinturm installiert. Auf der Südseite
der Einfahrt steht ein nicht erwähnenswerter rot-weißer Gitterturm.
Der Nord-Ostsee-Kanal wird an beiden Enden jeweils durch eine Schleuse abgeschlossen.
Dies hat den Vorteil, dass trotz des Tidenunterschieds zwischen Ost- und Nord-See immer
der gleiche Wasserpegel herrscht. Weiterhin wird das Kanalbett nicht durch eine ständige
Strömung in Mitleidenschaft gezogen. Ein Schleusengang dauert etwa 40 Minuten.
Es ergibt sich ein toller Anblick, wenn so ein dicker Pott in mitten der schönen
Landschaft von Schleswig-Holstein zu sehen ist. Es ist schon ein etwas merkwürdiger
Anblick, aber mich hat gerade dieser in den Bann gezogen.
Überraschend kam für mich ein Hinweisschild, dass an einer zum Kanal parallel
verlaufenden Straße aufgestellt wurde. Auf dieser Strecke haben die Autofahrer
bei Dunkelheit darauf zu achten, dass sie nur mit Abblendlicht fahren. Sie
könnten den Schiffsverkehr blenden. Leuchtet ein...
Sehestadt ist ein kleiner beschaulicher Ort mit etwa 800 Einwohnern. Er ist
durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals in zwei Hälften geteilt worden. Hier
fahren die Schiffe dicht an den Häusern entlang. Auch hier verbindet eine
ständig hin und her pendelnde Fähre die beiden Ufer.
Liebhaber alter Raddampfer kommen am Nord-Ostsee-Kanal auch auf ihre Kosten.
Regelmäßig fährt die 1905 gebaute „Freya“ von Kiel nach Rendsburg und zurück.
So kann man den Kanal in aller Ruhe entlang schippern und die tolle Aussicht genießen.
Zehn Hochbrücken überqueren in 40m Höhe den Nord-Ostsee-Kanal. Für mich ist
die 1913 erbaute Rendsburger-Eisenbahn-Hochbrücke die interessanteste. Ein
schönes Bauwerk, dass durch die Schwebefähre noch mal an Reitz gewinnt. Sie
ist mit zwölf Trageseilen an einem Wagen unterhalb der Brücke befestigt. Einen
ganz besonderes Erlebnis stellt eine schwebende Überfahrt auf der 14m langen
Fähre da. Sie ist 1913 in Betrieb genommen und nutzt bis Heute den ursprünglichen
Fahrplan von damals. Etwa alle 15min. zwischen fünf Uhr Morgens und elf Uhr
Abends schwebt die Fähre zur gegenüberliegenden Seite des Kanals.
Wie bei allen anderen Fähren über den Nord-Ostsee-Kanal ist die Überfahrt
kostenfrei. Das hat seit je her mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanal zu tun. Es
ist damals ein öffentliches Hindernis geschaffen worden und die Kanalverwaltung
muss bis heute für die Kosten der Überquerung aufkommen.
Übrings, weltweit sind zwanzig Schwebefähren gebaut worden. Acht sind nur noch
in Betreib, davon zwei in Deutschland. Die älteste ist im Kreis Cuxhafen in Osten
und die zweite in Rendsburg zu sehen.
Mir sind vor Ort zwei Punke ganz besonders aufgefallen, mit denen ich zuvor
nicht gerechnet hatte.
Fährt ein Zug über die Brücke gibt das Stahlbauwerk schon lange bevor der
Zug auf der Brücke zu sehen ist die typischen Fahrgeräusche von sich. Im
Süden des Nord-Ostsee-Kanals beginnt der Damm etwa 5Km vor der eigentlichen
Brücke. Auf der Nordseite wurde ein 4,5Km langes Ovalgerüst gebaut, um die
40m Höhe der Brücke mit dem nur wenige Meter über NN liegenden Rendsburger
Bahnhof zu verbinden. Der Bahnhof liegt etwa 600m nördlich der Brücke. Das
bedeutet der Höhenunterschied ist von keinem Zug zu bewerkstelligen und so
blieb nur der Trick mit der langsam ansteigenden ovalen Trasse.
Die Schwebefähre fährt fast lautlos und kommt dabei nicht ins Schwanken. Die
Trageseite sind so geschickt angebracht, dass die Fähre ganz ruhig
fährt/schwebt. Ich hatte das Gefühl, dass sie sehr schnell, fast wie eine
S-Bahn beschleunigt. Ein tolles Erlebnis.