Møn - Abbruchstelle
Die heftigen Herbst- und Winter-Stürme und der anhaltende Regen haben im
Januar 2007 für den größten Abbruch an der Kreidefelsenküste seit fünfzig
Jahren gesorgt. Der gut einhundert Meter hohe Kreidefelsen ist in der
letzten Januarwoche in die Tiefe gestürzt. Den Felsen habe ich fünf Jahre
zuvor in einer ganz besonderen Lichtstimmung fotografiert. Es ist bereits
auf der Aufnahme gut zu sehen, dass in diesem Bereich der Küste viel
Schlamm und Geröll unmittelbar an dem hohen Kreidefelsen herabgerutscht war.
Die riesige Menge an Kreide, Schlamm und Geröll hat eine etwa zweihundert
Meter breite, sowie dreihundert Meter lange und gut fünf Meter hohe Landzunge
entstehen lassen. Zu dieser Zeit bestand extrem hohe Lebensgefahr an der
Steilküste und alle Zugänge zum Ufer waren aus Sicherheitsgründen gesperrt. Erst
Anfang Mai waren die zum Teil defekten Treppen repariert und wieder
freigegeben. Natürlich ist es zu jeder Zeit an der Küste gefährlich. Es bröckeln
immer mal wieder Teile ab und der zum Teil sehr unscheinbare Schlamm ist sehr
tückisch. Die Warnhinweise sollten unbedingt beachtet werden!
Die besondere Lichtstimmung an einem sehr verregneten Tag hatte seinen ganz
besonderen Reiz. Ich war nicht nur beim ersten Anblick der Abbruchstelle von
der Größe und den Erdmassen überwältigt. Es ist einfach riesig gewesen. Immer wieder
ergaben sich neue Perspektiven die mich faszinierten. Es spielte kaum eine
Rolle, wie stark es geregnet hatte oder wie matschig es war. Ein einmaliges
Erlebnis bei dem große Vorsicht und Erfahrung geboten war. Mir gefallen die
verschiedenen Farben im Wasser besonders gut. Es sieht einfach fantastisch
aus, wie die Farben ineinander übergehen und sich durch die Strömung verändern.
Etwa ein Jahr später (Frühjahr 2008) war ich wieder an der riesigen Abbruchstelle. Bei herrlichem
Sonnenschein und klarer Luft ergab sich eine ganz andere Lichtstimmung. Mir gefallen
die verschiedenen Stimmungen immer wieder sehr gut. Jeder Besuch ist überraschend anders.
Die ständigen Naturgewalten haben erwartungsgemäß die Abbruchstelle verkleinert
und trotzdem war sie noch immer Riesig. Viel Kreide wurde ins Meer gespült und so
war es in einem sehr großen Bereich milchfarben gefärbt.
Im Herbst 2008 ergaben sich ganz andere Möglichkeiten die herrliche Küste zu erleben
und im Foto festzuhalten. Nicht nur das Licht war ein ganz besonderes, viel weicheres
als im Frühjahr, auch die ausgetrockneten Geröllmassen ergaben neue Pfade. Die
farbenfrohen Bäume und der leicht bedeckte Himmel ergaben eine einmalig schöne
Herbststimmung, die ich auf Møn zuvor so noch nicht erlebt habe.
Ich war selbst nach mehreren Besuchen der Abbruchstelle von der Größe und den
Erdmassen überwältigt. Ich habe es mir nicht nehmen lassen und habe mir einen
Überblick von oben, direkt von der Kliffkante verschafft. Sagenhaft, welche
Massen ins Meer gestürzt sind. Der Vergleich zwischen Herbst 2008 und Frühjahr
2009 zeigt auf eindrucksvolle Art, wie viel Material von den
Herbst- bzw. Winterstürmen abgetragen wurde.
Endlos viele Äste konnten am Strand in unmittelbarer Umgebung
zur Abbruchstelle sehen. Die vielen Bäume, die im Jahr 2007 mit in die Tiefe gerissen
wurden, sind nach und nach vom Meer zerstört und angespült worden. Das Meer erhält
durch die abgespülte Kreide eine wunderschöne Farbe. Direkt an der Abbruchstelle
zeigen sich viele große Risse. Es ist davon auszugehen, dass diese Stellen nach und nach
abbrechen und in der Ostsee untergehen.