Kranichfamilie
Ich war überrascht, als ich zufällig auf ein ungewöhnliches Kranichpaar (Grus grus) aufmerksam
wurde, denn es hat nur etwa 50m von einer recht häufig befahrenen Nebenstraße sein Nest gebaut
und mit der Brut begonnen. Selbst als eine recht lautstarke Gruppe von Wanderern die Straße
entlang kam, verhielten sich die Kraniche ruhig. Unglaublich, bei beiden Altvögeln konnte ich
keinerlei Aufregung oder gar Stress feststellen und so konnte ich aus dem Auto heraus einige
Aufnahmen machen. Später habe ich gehört, dass das Paar schon mehrere Jahre in dem kleinen
Tal brütet und erfolgreich seine Jungen aufzieht.
In unmittelbaren Nachbarschaft zu dem besonderen Kranichpaar traf ich auf ein anderes
Kranichpaar, was wie üblich im Wald brütet. Das besondere an dem Ort ist, dass zwischen dem
Wald und den anliegenden Feldern eben diese recht häufig befahrenen Nebenstraße liegt. Ich
war erstaunt, als ich beobachtete, wie ein Kranich aus dem Wald kam und in aller Ruhe vor
meinen Augen über die Straße auf die angrenzenden Felder ging. Dieses Schauspiel wiederholte
sich während der Brutzeit mehrfach am Tag, da sich die Altvögel beim Brüten abwechseln. Über
einen längeren Zeitraum beobachtete ich den Kranich und sah einen ruhigen, stressfreien
Kranich, der mich akzeptierte und sogar auf mich, in meinem Auto sitzend, zukam. So konnte
ich aus meinem „Versteck“ heraus, den aus dem Wald kommenden Kranich fotografieren.
Nur wenige Tage nach dem Schlüpfen der Küken verlässt die Kranichfamilie ihr Nest. Die
ersten Tage verweilt die Familie im Wald und die Jungen werden von da an von ihren Eltern
geführt. Später war die Kranichfamilie gemeinsam auf den anliegenden Feldern auf
Nahrungssuche. Übernachtet wurde weiterhin im Wald, ich nehme an, auf dem sicheren und
abgelegenen Nest. Wenn es zwei Jungvögel sind, schließt sich je einer einem Altvogel an
und bleibt in unmittelbarer Nähe zu ihm. Ist es nur ein Jungvogel, so kümmern sich beide
Altvögel um den Kleinen. Im Schnitt werden ein bis zwei Junge aufgezogen.
Jeden Tag, kurz nach Sonnenaufgang verließ die Kranichfamilie den schützenden Wald und
überquerte pünktlich die Nebenstraße, um auf die naheliegenden Felder zu kommen. Ganz
besonders hat den Kranichen das direkt an der Straße liegende Erdbeerfeld gefallen. Die
Jungen hatten zunächst mit den großen unreifen Erdbeeren einige Schwierigkeiten diese zu
Schlucken. Sie waren für den kleinen Hals etwas zu groß. Schnell hatten die Eltern dies
bemerkt und die Jungen lernten kleinere Beute aufzunehmen.
Eines Morgens musste ich leider feststellen, dass ein Jungvogel fehlte. Die Elternvögel
waren sichtlich beunruhigt und reagierten auf Greifvogelrufe extrem nervös. Vielleicht
hatte ein Greifvogel ein Junges geschlagen. Das eine Junge wurde von den Eltern abwechselnd
geführt. Der Kranich, der den Jungvogel nicht in der unmittelbaren nähe hatte, hat taktische
Manöver angewandt, um vom Jungvogel abzulenken. Es ist erstaunlich wie unsichtbar sich
Kraniche verhalten können. Und dennoch kamen sie immer wieder in meine unmittelbare
Nähe. Es war sehr angenehm zu spüren, dass die Kranichfamilie vertrauen hatte.
Nach und nach wurden die Jungen immer mobiler und konnten ausdauernd den Eltern folgen. Das
Nahrungsrevier wurde immer mehr ausgedehnt. Im Alter von etwa zehn Wochen
werden die Jungen Kraniche Flügge.